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Am 22 April 1447 fand in Mussum eine Verhandlung des freien Stuhls zu Bocholt über eine Art Wegerecht statt, zu der „die gesamten Bauern der Bauernschaft Mueshem wie sie mit Namen und Zunamen geschrieben stehen.... aufgeboten und geheischet waren in den Freistuhl zu kommen ".

Das Interessante an dieser Liste ist weniger der Inhalt der Verhandlung als die Tatsache, das wir damit die erste bekannte Aufzählung womöglich aller Mussumer Höfe des Jahres 1447 vor uns haben. Die Liste spricht von ca. 17-19 Höfen: Bernt Wennekynch (Wenning), Joh. Hebynch (Hebing). Lambert Doediynch (und Sohn) Hinrich Doediynch (Döing), Joh. Wennekynch (Wenning),  Esselen Tedelynch,

Joh. uppen Slaghe, Gert ter Haert, Esselen Eghelynch (Egeling),

Werner Ledekynch (Leiting), Henrich ter Laeke (Lakemann),

Derick ter Laeke, Derick ter Leghe (Legemann), Herman Berkynch, Otte Wetlerynch, Henrich Tedelynch, Joh Ysselgrunt, Henrich upper Stuvenborch, Henne Berkynch und Esselen Egessynch (Essing).

Viele Namen, die auch heute noch in Mussum bekannt und in Gebrauch sind Die älteste Steuer- bzw. Schatzungsliste von 1488, also nur knapp 40 Jahre später, zählt bereits 32 Höfe auf. 10 Jahre später 1498/1499 in der Liste der Willkommensschatzung zur Neuwahl des neuen Bischofs zu Münster Conrad II. zählen wir 45 schatzungspflichtige männliche Einwohner in Mussum, die zum Teil sicherlich zusammen auf einem Hof lebten, so dass man innerhalb dieser 10 Jahre nicht von einer Steigerung der Hofesanzahl um weitere 13 ausgehen kann Einer der ältesten Höfe Mussums war zugleich der Namensgebende. Der Haupthof „curia Mueshem" wird in einer Urkunde von 1265 erwähnt.

Mussum oder Mueshem bedeutet nichts anderes als „Heim auf der Heide" (mus, mos = Moor oder Sumpfland. Niederung, auch heute noch: Morsse)

 

 

 

 

 

Im Jahr 1568 begann für unsere Gegend - im besonderen auch für die benachbarte Niederlande im Kampf für die Unabhängigkeit von Spanien - eine von Kriegen und Leid geprägte Zeit. Sie dauerte bis 1648 und ist in Holland als der 80-jährige Krieg bekannt. Ein Teil davon war von 1618 bis 1648 der 30-jährige Krieg. Spanische und holländische Soldatentrupps zogen immer wieder brandschatzend, plündernd und mordend durch das Land. Auf Befehl der münsterschen Regierung wird 1596 wird ein Zustandsbericht über den schlimmen Zustand des Kirchspiels Bocholt verfasst. Die Bauernschaften werden der Reihe nach durchgesprochen Für Mussum gilt: „Alle Güter liegen wüst. Nienhaus der Pächter ist vergangenen Sommer gefangen und ganz verdorben. Busch wird nun aus der Stadt etwas bebaut, aber der Baumann ist gleichfalls gefangen und ganz verdorben und hat mehr geben müssen als alles Seinige in Grund und Boden wert ist. Telinck, der Mann ist ermordet und der Sohn ist gefangen. Rauenhorst ist verbrannt, Ritenhorst, ein Kotten, das Haus ist durch die Wirdischen abgebrochen." Nur nach und nach kamen die Bauern zurück auf Ihre Höfe oder sie wurden neu besetzt. Dazu passt eine Mitteilung aus dem Jahre 1608 aus dem „Manuale actorunr - dem Tagebuch des Klosters Marienfrede in Dingden, dass mit Hendrick und Roloff Egelinck die Abgaben neu verhandelt wurden. Dort heißt es wörtlich: „Wir haben wohlwollend mit ihnen gehandelt, weil sie so arm sind und von ihrer Hände Arbeit leben müssen" Erst 1609 kommt es zu einem Waffenstillstand. Aber kaum 10 Jahre vergehen, in denen sich die Bauernschaft nur wenig erholen konnte, bevor nun der 30jährige Krieg mit dem Prager Fenstersturz beginnt. Die Hessen besetzten lange Zeit das Münsterland und belagerten auch die Stadt Bocholt (1633-1650), die sie zwischen 1642 und 1645 zu einer Festung ausbauten. Zu den marodierenden Hessen wird später am 04/05. Juni 1655 Gerhard Benning aus Stenern aussagen, dass sie „sein Haus vom Gute abgebrannt" hätten.

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